Hören wir Musik, gleich welcher Art, dann spielt für uns die Melodie eine sehr wichtige Rolle. Die Melodie ist der Bestandteil in der Musik, den wir bei vielen Musikstücken zumindest teilweise mitsingen können. Melodien sind also besonders wichtige Bestandteile der Musik. Wir können beim Hören einer Melodie auf einige wichtige Merkmale achten:

1. Richtungsverlauf

Verbindet man bei einer Melodie die Notenköpfe, so ist eine für die Melodie typische Verlaufsrichtung zu erkennen. Eine Melodie kann steigen, fallen, auf einem Ton ver­harren oder auch wellenförmig, bogenförmig, zick-zack-förmig usw. verlaufen. Sie kann stark bewegt sein oder eher wenig Bewegung enthalten. Auch kann eine Melodie aus einer eher zusammenhängenden Linie bestehen oder aus kurzen Teilen (Phrasen) zusammengesetzt sein.

2. Verlaufsart

Die Art und Weise, wie eine Melodie die nacheinander folgenden Töne verbindet, er­gibt die Verlaufsart. Eine Melodie kann vorwiegend in Schritten oder in Sprüngen verlaufen. Man kann mit Hilfe der Intervallbezeich­nungen (siehe Beitrag Intervalle) angeben, welche Tonabstände in welcher Häufigkeit verwendet werden. Bestimmte Melodietypen verwenden eher Schritte, andere eher sehr viele Sprünge, wieder andere eine Mischung.

3. Tonumfang

Den Abstand vom tiefsten Ton einer Melodie bis zum höchsten nennt man Tonum­fang (Ambitus). 10 Töne etwa stellen einen mittleren Tonumfang dar. Dies ist auch der Bereich, in dem die menschliche Stimme bequem singen kann. Ein deutlich geringerer Tonumfang nennt man klein oder sehr klein (z. B. nur 3 Töne), einen größeren groß oder sehr groß (z. B. 16 und mehr Töne). Sehr große Tonabstände sind nur von Instrumenten auszu­führen.

4. Ausdruck, Wirkung

Aufgrund der Gestaltung von Richtungsverlauf, Verlaufsart und Tonumfang ergibt sich die Wirkung einer Melodie. Sie kann gesanglich, spielerisch, lustig hüpfend, monoton, unruhig springend etc. sein. Neben den genannten melodischen Gestaltungsmitteln ist für den Charakter einer Melodie die Verwendung bestimmter Notenwerte (siehe Beitrag Rhyth­mus) von besonderer Bedeutung.

Wir wollen uns dies alles nun einmal im Notenbild anschauen und lassen uns die Melodien vorspielen. Um die Einflüsse der unterschiedlichen Notenwerte auszuschalten, verwenden die vier Melodien alle die gleichen Notenwerte.

Melodie 1:

Diese Melodie hat wenig Bewegung und verläuft in leichten Wellen. Von einem Ton zum anderen verläuft sie in Schritten. Ihr Tonumfang ist klein. Ihr Charakter ist eher ruhig und besinnlich.

Melodie 2:

Diese Melodie bewegt sich auf und ab. Sie verläuft neben wenigen Schritten überwiegend in Sprüngen. Sie hat einen mittleren Tonumfang. Ihr Charakter ist durchaus lebendig.

Melodie 3:

Diese Melodie schreitet treppenförmig auf und ab. Sie verläuft in kleinen Sprüngen. Die Treppenstufen bilden gleichbleibende Töne. Sie hat einen mittleren Tonumfang. Ihr Charakter ist eher streng und bestimmt.

Melodie 4:

Diese Melodie verläuft in einer Zick-Zack-Bewegung. Sie verwendet überwiegend Sprünge, auch große Sprünge. Der Tonumfang ist noch im mittleren Bereich. Der Charakter ist unruhig und wild.

 

 

 

 

 

 

 

Zwei einfache Musikstückchen aus dem Album für die Jugend von Robert Schumann sollen die Rolle der Melodie für die Wirkung eines Musikstückes nochmals verdeutlichen. Hier nun spielen allerdings auch die Notenwerte und damit der Rhythmus eine zusätzliche Rolle.

Die Melodie des Stückes Wilder Reiter springt zick-zack-förmig wild auf und ab, während die Melodie des Stückes Stückchen mit wenig Bewegung in leichten Wellen und überwiegend in Schritten verläuft.